Wann sollten Betriebe mit dem Azubi-Recruiting für 2027 anfangen?
Mit dem Azubi-Recruiting für den Ausbildungsstart 2027 sollten Betriebe jetzt im Herbst 2026 beginnen. Laut Ausbildungsmarktbilanz der Bundesagentur für Arbeit waren am 30. September 2026 bundesweit 48.000 betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt und zugleich 46.000 Bewerber unversorgt. Wer früh Einblicke in den Alltag zeigt und auf jede Bewerbung binnen 24 Stunden antwortet, kommt an diese Bewerber eher heran.
Azubi-Recruiting ist die gezielte Suche nach Auszubildenden über die Kanäle, die Schülerinnen und Schüler tatsächlich nutzen, von der Lehrstellenbörse bis zum kurzen Video auf Instagram. Es baut auf Employer Branding auf: Ein Betrieb, von dem man schon einmal den Alltag gesehen hat, bekommt leichter eine Bewerbung.
Inhalt
- Was die Ausbildungsmarktbilanz 2025/26 für
- Wann sollten Sie mit der Suche für den
- Wen erreichen Sie mit Anzeigen, und wen nicht?
- Was gehört in ein Azubi-Video, damit es
- Der Bewerbungsweg gehört aufs Handy
- Freie Plätze für 2026 lassen sich bis
- Checkliste für das Azubi-Recruiting 2027
- Häufige Fragen
- Quellen und redaktionelle Einordnung
Was die Ausbildungsmarktbilanz 2025/26 für das Azubi-Recruiting heißt
Die Bilanz zeigt vor allem ein Passungsproblem. Es gibt freie Stellen und suchende Bewerber zur selben Zeit, sie finden nur nicht zueinander. Die Bundesagentur für Arbeit hat die Zahlen am 30. Oktober 2026 in ihrer Presseinfo Nr. 42 veröffentlicht, sie gelten für Oktober 2025 bis September 2026.
| Kennzahl | 2025/26 | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Betriebliche Ausbildungsstellen | 453.000 | 31.000 weniger |
| Gemeldete Bewerber | 447.000 | 3.000 mehr |
| Bewerber je 100 betriebliche Stellen | 99 | Vorjahr 92 |
| Unbesetzte Stellen am 30.09. | 48.000 | 8.000 weniger |
| Unversorgte Bewerber am 30.09. | 46.000 | 6.000 mehr |
Auf 100 betriebliche Stellen kamen rechnerisch 99 Bewerber, mehr als im Vorjahr. Trotzdem blieben 48.000 Plätze leer. Besonders schwer zu besetzen waren laut BA Stellen in Lebensmittel-, Bau-, Gastronomie- und Metallberufen sowie im Berufskraftverkehr. Das Bundesinstitut für Berufsbildung kommt in seiner Analyse „Der Ausbildungsmarkt im Jahr 2025“ für das Vorjahr zu einem ähnlichen Bild: Rund 84.400 Jugendliche blieben bei ihrer Suche erfolglos. Die Nachfrage stieg, das Angebot an Ausbildungsstellen sank.
Wir lesen daraus: Mehr Stellenanzeigen lösen das Problem selten. Wer einen Platz für 2027 besetzen will, muss früher sichtbar sein und den Weg zur Bewerbung kürzer machen als der Betrieb nebenan.
Wann sollten Sie mit der Suche für den Ausbildungsstart 2027 anfangen?
Jetzt. Im Herbst entsteht das Material, das im Winter in Anzeigen läuft, und im Frühjahr können die ersten Praktika stattfinden. Diese Reihenfolge ist eine Empfehlung, kein Schema, das in jeder Kampagne gleich abläuft. Sie ergibt sich daraus, dass Anzeigen fertiges Material brauchen und ein Praktikum Zeit vor der Zusage. Wer im Herbst anfängt, hat für jeden Schritt Luft.
| Zeitraum | Was passiert | Ziel |
|---|---|---|
| Herbst 2026 | Einblicke drehen, Azubis als Gesichter | Material für den ganzen Winter |
| Winter 2026/27 | Anzeigen und Beiträge ausspielen | Kontakte und erste Bewerbungen |
| Frühjahr 2027 | Praktika und Probetage | Zusagen vor dem Sommer |
| Sommer 2027 | Nachfassen, Lücken füllen | Plätze bis zum Start besetzen |
Die Handwerkskammer Bremen bietet Betrieben bereits jetzt einen Meldebogen für freie Ausbildungsplätze 2027 zum Download an. Wer seinen Platz dort früh meldet, steht ab dann in der Lehrstellenbörse und im Lehrstellenradar und ist für Jugendliche sichtbar, die schon vor dem Frühjahr suchen.
Wen erreichen Sie mit Anzeigen, und wen nicht?
Mit bezahlten Stellenanzeigen auf Facebook und Instagram erreichen Sie Menschen ab 18 Jahren, also Eltern und volljährige Bewerber, aber keine Schülerinnen und Schüler unter 18. Meta verlangt für Stellenanzeigen in Europa die Sonderkategorie Beschäftigung, und dort ist das Alter laut Metas Entwicklerdokumentation fest auf 18 bis 65+ eingestellt. Ein Radius unter 15 Kilometern ist in Europa nicht möglich. Was die Sonderkategorie sonst einschränkt, steht in unserem Artikel zur Recruiting-Kampagne auf Social Media.
Wir raten davon ab, die Kategorie wegzulassen, um doch Jüngere auszuwählen. Metas Werberichtlinie zu diskriminierenden Praktiken nennt das Alter als geschütztes Merkmal und untersagt, Personengruppen unrechtmäßig auszuschließen. Auch das deutsche Recht zieht die Grenze: Nach § 11 AGG darf ein Arbeitsplatz nicht unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot ausgeschrieben werden, und das Alter gehört nach § 1 AGG zu den geschützten Merkmalen.
Ansprache im Motiv ist etwas anderes als Targeting. Ein Video, in dem eine 17-jährige Auszubildende ihren Tag zeigt, spricht junge Menschen an, ohne dass jemand im Werbekonto ausgeschlossen wird. Unter 18-Jährige erreichen Sie über eigene Beiträge, die geteilt und weitergeleitet werden. Die JIM-Studie 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest hat dafür 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren befragt: Mit großem Abstand am wichtigsten ist ihnen WhatsApp, danach folgen Instagram, Snapchat und TikTok. Ein Video, das sich gut per WhatsApp weiterschicken lässt, kommt so auch bei Jüngeren an. Wie TikTok für Betriebe funktioniert, zeigt unser Leitfaden TikTok für Unternehmen.
Eltern sehen solche Anzeigen also mit. In unseren Azubi-Kampagnen haben wir sie trotzdem nicht eigens angesprochen, und wir raten auch davon ab. Der Azubi selbst muss sich angesprochen fühlen. Eine Elternkampagne streut zu breit, weil Eltern die unterschiedlichsten Interessen und Wünsche haben, und gutes Personal ist über sie schwer zu finden. Sinnvoller ist es, gezielt auf den Bewerber zu gehen: sich klarmachen, wen man sucht, und die Anzeige für genau dieses Bewerberprofil schalten, nicht für die Eltern oder das Umfeld. Die Altersauswahl bleibt dabei fest eingestellt, wie oben beschrieben; gezielt heißt, dass Motiv und Text für das gesuchte Bewerberprofil gemacht sind.
Was gehört in ein Azubi-Video, damit es nicht wie Werbung wirkt?
Ein Azubi-Video zeigt echte Auszubildende bei echter Arbeit und lässt sie selbst reden. In unseren Kampagnen bekommen wir deutlich mehr Bewerbungen, wenn wir Bewegtbild statt Fotos nutzen und die Ansprache genau zur Zielgruppe passt. Junge Bewerber sprechen wir anders an als ältere, über die Bildsprache und über die Menschen vor der Kamera.
Das heißt für den Dreh: Die besten Ergebnisse hatten wir bisher, wenn Auszubildende selbst die nächsten Bewerber anwerben, zum Beispiel aus dem dritten Lehrjahr. Sie liefern den Social Proof und sagen sinngemäß: Wir sind selbst Azubis, uns macht es hier Spaß, und wenn du Lust hast, bewirb dich bei uns. Dazu erzählen sie, was sie an ihrem ersten Tag gemacht haben und was sie heute allein erledigen. Gedreht wird im vertikalen Videoformat, weil es auf dem Handy gesehen wird.
Für Betriebe im Land Bremen gehört die Anfahrt ins Video. Wer mit 16 noch keinen Führerschein hat, will wissen, ob er ohne Auto zum Betrieb kommt. Ein Satz zur nächsten Haltestelle oder zum Radweg reicht dafür. Wie wir solche Drehs aufbauen, beschreiben wir auf der Seite Recruiting-Video in Bremen.
Der Bewerbungsweg gehört aufs Handy
Die Bewerbung muss auf dem Handy in wenigen Minuten erledigt sein. Wir empfehlen, auf das Anschreiben zu verzichten und nach Name, Telefonnummer, Wunschberuf und Schulabschluss zu fragen. Zeugnisse können im Gespräch nachgereicht werden.
Wichtiger als das Formular ist die Antwort. Aus unseren Kampagnen wissen wir: Wer sich nicht innerhalb von 24 Stunden bei Bewerbern meldet, verliert sie. Die Bewerbung ist dann vergessen, oder der späte Anruf wirkt wie Spam. Legen Sie deshalb vor dem Start fest, wer die Anfragen bekommt und wer am Freitagabend zurückschreibt. Wie ein solcher Ablauf auf der Bewerbungsseite aussieht, zeigen wir unter Azubis finden über Social Media.
Freie Plätze für 2026 lassen sich bis Jahresende noch besetzen
Die Vermittlung der Bundesagentur für Arbeit läuft bis Jahresende weiter, weil sich erfahrungsgemäß noch Bewerber melden. Laut Presseinfo Nr. 42 haben 47.000 Bewerber zunächst eine Alternative begonnen, wollen aber weiter eine duale Ausbildung.
Ein Handwerksbetrieb aus Bremen oder Bremerhaven, der seinen Platz im Oktober noch nicht besetzt hat, meldet ihn deshalb bei der Arbeitsagentur und in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Bremen. Betriebe im niedersächsischen Umland nutzen dafür die Lehrstellenbörse ihrer eigenen Handwerkskammer. Die Bremer Kammer unterstützt mit dem Projekt Passgenaue Besetzung außerdem bei der Suche nach Bewerbern aus dem In- und Ausland, auch mit Fluchthintergrund. Das Material, das Sie im Herbst für 2027 drehen, hilft dabei gleich mit.
Checkliste für das Azubi-Recruiting 2027
- Melden Sie den Ausbildungsplatz 2027 bei der Arbeitsagentur und über den Meldebogen der Handwerkskammer.
- Fragen Sie Ihre Azubis, wer vor die Kamera möchte, und legen Sie einen Drehtermin vor Weihnachten 2026 fest.
- Schreiben Sie Haltestelle und Fahrzeit zum Betrieb auf und nehmen Sie beides ins Video und in die Anzeige.
- Kennzeichnen Sie Stellenanzeigen bei Meta als Beschäftigung und wählen Sie nicht nach Alter aus.
- Kürzen Sie das Formular auf höchstens fünf Fragen ohne Anschreiben und testen Sie es auf dem Handy.
- Benennen Sie eine Person, die jede Bewerbung innerhalb von 24 Stunden beantwortet.
- Halten Sie Termine für Praktika und Probetage im Frühjahr 2027 frei.
Häufige Fragen zum Azubi-Recruiting
Darf ich in der Stellenanzeige „junges Team“ schreiben?
Davon raten wir ab. „Junges Team“ kann als Hinweis gelesen werden, dass ältere Bewerber unerwünscht sind, und das Alter ist nach § 1 AGG ein geschütztes Merkmal. Auf Ausbildungsstellen bewerben sich auch Erwachsene, die den Beruf wechseln wollen. Beschreiben Sie lieber, was die Auszubildenden tun und wer sie anleitet.
Reicht die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Bremen?
Sie reicht für Jugendliche, die schon aktiv suchen. Die Handwerkskammer Bremen zeigt dort freie Lehrstellen aus dem Bremer und Bremerhavener Handwerk, zusätzlich in der kostenlosen App Lehrstellenradar, die laut Kammer rund 300 Angebote aus der Region enthält (Stand 6. November 2026). Wer noch unentschlossen ist, findet Ihren Betrieb dort nicht. Diese Gruppe erreichen Sie über Videos und Empfehlungen.
Gilt das alles auch für die Pflegeausbildung?
Ja, mit einer anderen Ausgangslage. Die Bundesagentur für Arbeit zählte 2025/26 für schulische Ausbildungen in Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufen sowie Beamtenausbildungen 66.000 Angebote und 66.000 Bewerber. Rund 7.000 Plätze blieben unbesetzt, ebenso viele Bewerber unversorgt. Die Pflege ist in dieser Zahl nur ein Teil. Auch hier gibt es freie Plätze und suchende Bewerber zur selben Zeit. Für diese Ausbildungen passt derselbe Zeitplan mit Herbstdreh und Praktika im Frühjahr.
Wie viele Videos brauche ich für eine Azubi-Kampagne?
Für einen Winter mit Anzeigen und eigenen Beiträgen reicht meist ein Drehtag. An unseren Drehtagen entstehen typischerweise vier bis zwölf Videos, oft mehr. Das genügt, um in der Anzeige zwei oder drei Motive gegeneinander zu testen und auf Instagram oder TikTok über Wochen regelmäßig etwas zu zeigen, ohne dass sich die Inhalte wiederholen.
Warum melden sich Bewerber nach der ersten Nachricht nicht mehr?
Meist, weil die Antwort zu spät kam. Aus unseren Kampagnen wissen wir, dass Bewerber nach 24 Stunden ohne Rückmeldung abspringen. Rufen Sie deshalb an, statt nur zu schreiben, und schlagen Sie im ersten Gespräch gleich einen festen Termin für einen Probetag vor. Erreichen Sie niemanden, schicken Sie eine kurze Nachricht mit zwei Terminvorschlägen über den Kanal, über den die Bewerbung gekommen ist.
Quellen und redaktionelle Einordnung
Stand der Recherche: 6. November 2026. Die Beobachtungen zu Bewerbungen mit Bewegtbild, zur Rückmeldung innerhalb von 24 Stunden, zur Zahl der Videos je Drehtag, zur Ansprache von Eltern und Bewerbern und zu Auszubildenden als Werbenden stammen aus unseren eigenen Kampagnen und Drehtagen; der Zeitplan von Herbst 2026 bis Sommer 2027 ist eine redaktionelle Empfehlung. Zahlen aus eigenen Werbekonten enthält der Artikel nicht.
- [1] Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 42, Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 42, 2026-10-30
- [2] Bundesinstitut für Berufsbildung (Christ, Neuber-Pohl, Weller, Milde, Granath), Bundesinstitut für Berufsbildung (Christ, Neuber-Pohl, Weller, Milde, Granath), 2026
- [3] Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / LFK Baden-Württemberg, gemeinsame Pressemitteilung, Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / LFK Baden-Württemberg, gemeinsame Pressemitteilung, 2025-11-14
- [4] Handwerkskammer Bremen, Handwerkskammer Bremen, 2026-11-06
- [5] Handwerkskammer Bremen, Handwerkskammer Bremen, 2026-11-06
- [6] Meta for Developers, Meta for Developers, 2026-11-06
- [7] Meta, Werbestandards, Meta, Werbestandards, 2026-11-06
- [8] Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de, 2026-11-06
- [9] Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de, 2026-11-06
Mehr dazu auf unserer Seite Azubis Finden.
Kostenloser Kanal-Check Wir schauen auf Ihre Kanäle und nennen drei Dinge, die Sie sofort besser machen können.
15 Minuten, ohne Zugangsdaten, ohne Verpflichtung. Über 1.000 Videos und über 100 besetzte Stellen aus Bremen und Umgebung.
